"Von Wien bis an den Broadway"

"Von Wien bis an den Broadway"

Stehender Applaus und Jubel im Publikum waren der Lohn für ein überzeugendes, bestens vorbereitetes Matinee-Konzert am 21. Oktober 2018.
Seit 30 Jahren gibt die Porzer Chorgemeinschaft Cäcilia Zündorf Konzerte in der Kölner Philharmonie. Viele davon fanden bisher in der Advents- oder Weihnachtszeit statt. Für dieses Jahr kündigte der Chor eine Neuerung für sein jährliches Gala-Konzert in Kölns feinstem Konzertsaal an: weg von den Samstagnachmittagen in der Adventszeit, hin zu einem herbstlichen Matinee-Konzert am Sonntagmorgen. Unter dem Titel ,,Von Wien bis an den Broadway" präsentierten jetzt mehr als 100 Sängerinnen und Sänger der Chorgemeinschaft Cäcilia Zündorf, dem Concert-Chor Concordia Hürth und den Solisten Cecilia Nanneson und Christoph Scheeben, beschwingte Melodien aus Oper, Operette und Musical.

An den Anfang des zweistündigen Konzertvormittags hatten die Organisatoren Teile aus Mozarts ,,Zauberflöte" (KV 620) gestellt. Bereits die Ouvertüre zu der weltbekannten Oper war ein Fest: feierlich, strahlend und energisch geleitetet Dirigent Christian Letschert-Larsson die Akteure der Sächsischen Bläserphilharmonie, dem bis heute einzigen deutschen Kulturorchester in ausschließlicher Bläserbesetzung, durch die Partitur.

Die Arie ,,O Isis und Osiris" mit Bass-Bariton Christoph Scheeben als Sarastro und den rund 40 antwortenden Männerstimmen beider Chöre, die Pamina-Arie ,,Ach, ich fühl's, es ist entschwunden", gesungen von der schwedischen Sopranistin Cecilia Nanneson, sowie der Schlusschor mit ,,Die Strahlen der Sonne" gaben dem fast voll besetzten Auditorium einen ersten Eindruck von den homogenen Leistungen des gesamten Ensembles.

Reichlich Beifall gab es in der Mitte der ersten Konzerthälfte fürs Orchester und sechs seiner Solotrompeter beim großen Triumphmarsch-Pomp aus Giuseppe Verdis ,,Aida". In lupenreinem Stereo interpretierten die Trompeter links und rechts auf der Bühnenseite einen der berühmtesten Märsche der Musikgeschichte und würdigten mit ihrem rhythmisch exakt aufeinander abgestimmten Spiel den monumentalen Charakter der Oper.

In angemessenem Tempo folgten Verdis ,,Gefangenenchor" aus der Oper ,,Nabucco" sowie der ,,Chor der Zigeunerinnen" und das ,,Trinklied" aus der Oper ,,La Traviata". Letztere wieder mit solistischer Begleitung. Albert Lortzings ,,Singschule" aus der Oper ,,Zar und Zimmermann" setzte den Schlusspunkt unter den klassischen ersten Teil des Konzertes.

Mit der schmissigen Ouvertüre aus Leonard Bernsteins 1956 uraufgeführten und 1974 gründlich überarbeiteten satirischen Operette ,,Candide" stieg das Orchester in die zweite Hälfte ein, um kurz darauf Chor und Solisten bei einem Hit-Medley aus dem Musical ,,West Side Story" zu begleiten.


Christoph Scheeben, der sich nicht nur als erstklassiger Bass-Bariton-Solist hervortat, übernahm auch die Moderation des zweiten Konzertteils. Witzig verglich er die im Musical rivalisierenden ethnischen Jugendbanden der US-amerikanischen ,,Jets" und der puerto-ricanischen ,,Sharks". Das sei übersetzt in etwa so, erklärte der gebürtige Nippeser, ,,als wenn sich der Sohn einer Kölsch-Brauerei in die Tochter einer Alt-Brauerei verliebt". ,,Das kann nicht gut gehen."

Später markierten Chor und Orchester mit Stücken aus Andrew Lloyd Webbers ,,Phantom der Oper" einen der Höhepunkte der zweiten Hälfte. Ergreifend dabei, die stimmige musikalische Interpretation von ,,Think of me" oder ,,Wishing you were somehow here again". Mit Stücken aus ,,My Fair Lady", der ,,Zauberer von Oz" und der Titelmusik von ,,Hello Dolly" bewegten sich Chor, Orchester und Solisten auf hohem musikalischem Niveau. Stehender Applaus und Jubel im Publikum waren der Lohn für ein überzeugendes, bestens vorbereitetes Matinee-Konzert.

aus: Kölner Stadt-Anzeiger 25.10.2018, Text: Roland Meurer, Fotos: Martina Goyert
25.10.2018
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